Archiv der Kategorie: Backstage

Was macht Urban Dance außerhalb der Tanzfläche – Hintergründe aus der Szene

And the winner is… PROTOTYPE! PROTOwho? PROTOTYPE!!!

The second day of FUNKIN STYLEZ was so damn exciting (read the report here), we are still blown away by the WORLD TEAM BATTLE. This year PROTOTYPE from UK won the crazy final. And they deserve the crown: Not only everyone is an amazing dancer, but also they showed the strongest team spirit with tons of complex routines.

Funkin Stylez Finals winner Prototype: Roxy, Supermalcom, Brooke, Kashmir and Marvel (photo by jun kim)

Funkin Stylez Finals winner Prototype: Roxy, Supermalcom, Brooke, Kashmir and Marvel (photo by jun kim)

Keepondancin used this opportunity to find out about the crew that won Germany’s biggest battle. Crew member Supermalcom gave us the answers (and as they are from the UK, we exceptionally switch to english):

1. You showed you are a real team. Do you actually dance together a lot or was this a loose combo only for Funkin Stylez?

Yes, we do dance together a lot. Earlier this year we done and won several big crew competitions. So we were well prepared for Funkin Stylez.

2. Who is part of Prototype? When was it founded and by whom?

Supermalcom answered all our questions about his crew Prototype

Supermalcom answered all our questions about his crew Prototype

So we have:

– Kashmir (House and Hip Hop)

– Roxy (Bboying)

– Brooke (Popping and Locking)

– Dickson (Popping) but wasn’t here at Funkin Stylez

– myself, Supermalcom (Hip Hop and House)
These are the main core five dancers

and then we have
– Marvel (Popping) the newest member in Prototype (replaced Dickson for Funkin Stylez)

We all London-based dancers now. I founded the team about 2-3 years ago. My aim was to regroup the best dancers in the UK of different styles and go out to show that UK have real talent.

3. How did you prepare for Funkin Stylez (FS)? 

We prepared for FS one month ago rehearsing about three times a week, and the last week almost everyday. We observed that most teams have strong soloists but not good routines. So our strategy was to show people that we were strong on both sides of the fence: Strong solos and bombard the others with routines for every round.

4. What other important successes do you have on your list? 

Well this year has been amazing for us. We won the biggest UK dance battle „Jump Off“ five times in a row – plus the big £ 10.000 final. We also won SDK crew battle against Japan in the final in Czech republic.

5. What’s your „Funkin Stylez career“ so far?

Funny enough we never went too far at Funkin Stylez before. Two years before we lost in the 1/4 final. Last year we even lost in the first round. But all these losses were taken as a great experience and made us more aware of what we needed to do to win.

THE FINAL BATTLE: 

6. How did you like the new venue in Berlin and its atmosphere? Did you feel the crowd?

The new venue is really nice, very very big indeed. The vibe this year was a bit different but however good. The crowd was great and supportive but for us performing on stage is always different to perform around a circle as you tend to feel the energy of people around you more.

7. Are you gonna be back next year to defend the title? 

We don’t know if we gonna be back next year, depending on how the crew feel. We do have a lot of titles to defend next year 😉 But if we decide to do it we still gonna come as hard or even harder then this year, so be prepared 🙂

Thanks to Supermalcom for letting us know what Prototype is all about. We wish you a lot of success for your future projects and keepondancin!!!!

Oh, by the way: We found that supernice urban dance app Supermalcom created. You better check it out in the app-store and improve your dance skills with the help of nothing but your smartphone!! Next level shit!

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Waacking erobert Berlin – hoffentlich

Waacking ist wieder auf dem Vormarsch. Nur bei uns ist davon noch nicht so viel zu spüren. Dabei sollte man einen so  dynamischen und extrovertierten Tanzstil nicht verpassen… Zum Glück gibt Annabelle da Fonte (Babybelle) aus der Schweiz am Samstag, den 10. November einen Workshop in der Flying Steps Academy in Kreuzberg. Eine perfekte Möglichkeit für Berlin, den Tanzstil kennenzulernen. Wir liefern euch jetzt schon ein paar Background-Infos zum Waacking und haben Annabelle interviewt.

Waacking entstand in den 70ern aus dem „Posing“  in der Gay Club Szene in Los Angeles. Der Tanz hat sich schnell von West bis zur East Coast nach New York verbreitet und in allen Clubs, in denen Disco und Funk Sounds gespielt wurden, konnten sich die Tänzer auf ihre Art ausdrücken. Inspiriert wurde Waacking von anderen Stilen wie Jazz oder Locking, der Fashion Szene und natürlich von der Musik von Donna Summer, den Jackson 5, Whitney Houston, Diana Ross usw. selbst.

Shaba-Doo aus LA: Pionier des Waacking und Locking

Pioniere des Waacking sind Shabba-Doo, Angel Ceja oder Ana Sanchez aus LA und Tyrone Proctor aus NY. Sie stachen heraus und wurden deshalb zu sogenannten ‚OGs‘ – zu Lehrern für die kommende Generation.

In den 90ern verlor Waacking seine Popularität. Ein Hauptgrund liegt in der Natur von Urban Dance Stilen: Sie werden an die nächste Generation weitergegeben. Es gab zu wenige erreichbare OGs und sonstige Informationsquellen, die das Erbe von Waacking weitergeben konnten und damit schrumpfte die Szene stark. Mittlerweile interessieren sich wieder mehr Tänzer für den Stil und die Szene wird wieder größer.

Annabelle da Fonte (photo: Federica Marchese)

Annabelle da Fonte ist eine der noch wenigen Waacking Tänzer in Europa. Sie hat uns erklärt, woher ihre Leidenschaft für den Tanz kommt.

Stell dich und deine Tanzlaufbahn bitte kurz vor.

Ich bin Annabelle oder auch Babybelle und komme aus der Schweiz. Ich tanze Ballett, Jazz und Modern seitdem ich fünf Jahre alt bin. Im Alter von zwölf Jahren habe ich mit Hip Hop und anderen Urban Dance Styles angefangen. Später habe ich zwei Jahre lang in Paris gelebt und getanzt, wo ich neben den klassischen Stilen auch in einer der größten Hip Hop Tanzschulen intensiv die Urban Styles trainiert habe. In London war ich auch für kurze Zeit, um mich tänzerisch weiterzuentwickeln und jetzt lebe ich in Berlin.

Wie bist du zum Waacking gekommen und warum fasziniert dich dieser Stil so sehr?

Waacking habe ich vor zwei Jahren durch Gemini aus Paris kennengelernt. Ich liebe es, weil ich mich mit Waacking einfach gut fühle. Der Tanz ist sehr energiegeladen, du brauchst viel Attitüde und zeigst viel Charakter. Mein Lehrer meinte immer: „Stell dir vor, du wärst der Superstar!“ Man kann einfach 100% seine Rolle spielen. Es gibt Annabelle da Fonte und Babybelle, das sind zwei verschiedene Menschen. Einmal zeige ich für Shows etc. das, was mir gesagt wird. Bei Battles und vor allem beim Waacking präsentiere ich meinen Namen, meinen Charakter. Ich allein zeige, was ich kann. Darin geh ich auf.

Wie kann man sich diesen Tanz vorstellen? Was sind die typischen Moves?

Am typischsten sind die schnellen Bewegungen der Arme. Kaum heißt es Waacking, tanzen alle direkt mit ihren Armen los. Das ist schon richtig: Waacking ohne Arme ist kein Waacking. Aber trotzdem muss der ganze Körper eingesetzt werden. Die Bewegungen sind sehr geschmeidig und elegant und zeigt so seinen Style. Es geht um die Superstar-Attitüde! Im Gegensatz zum Voguing wird nicht zu House sondern zu Disco und Funk Musik getanzt. Waacking ist übrigens nicht nur für Frauen!

Wie würdest du die Waacking Szene heute beschreiben?

Waacking ist auf jeden Fall zurück – aber nicht überall. Das ist schade! Ich spreche da vor allem für Europa und damit auch Deutschland. Wir brauchen mehr Leute, die diesen Style pushen, damit er eine Zukunft hat.

 

 

Der Workshop in Berlin am Wochenende ist ein erster Schritt, mit dem Waacking auch bei uns beliebter werden kann. Danke dafür Babybelle, ihr geht alle hin und bis dahin, keepondancin!!!

Zum Abschluss gibt’s Babybelle noch einmal in audiovisuell. Weitere Videos findet ihr übrigens in ihrem Channel ‚Annabelle da Fonte‘:

Passion for Voguing

Tänzer aus der Vogueing-Doku „Paris is burning“

Vogueing ist on top. Immer mehr Events binden diesen Tanzstil ein. Es gibt einige Vogueing Battles und immer mehr Shows, für die speziell Vogueingtänzer gebucht werden. Die Wiedergeburt einer Tanzrichtung? Während Breakdance, Popping und Locking immer weitergelebt wurden, war Vogueing Ende der 90er ein bisschen aus dem Rampenlicht verschwunden.

Vogueing ist in den 1960ern in der afroamerikanischen Gayszene von Harlem entstanden und war damit erstmal nur für eine kleine Zielgruppe zugänglich. Bei Balls versuchten die Teilnehmer, sich gegenseitig an Schönheit und Grazie zu überbieten, indem sie die Models aus dem Hochglanzmagazin ‚Vogue‘ imitierten. Bald haben sich mehr Leute für diesen Lifestyle interessiert und aus dem reinen Schaulaufen wurde ein Tanzstil, wie Willi Ninja (einer der größten New Yorker Vogueing-Ikonen) hier genauer erklärt.

In den Achtzigern kam man an Vogueing nicht mehr vorbei. Sie tanzten in Musikvideos und spätestens ab Madonnas Erfolg „Vogue“ von 1990 kannte es dann jeder Hinterwäldler. Egal, warum die Szene dann wieder mehr im Untergrund verschwand, jetzt ist Vogueing wieder da und selbst in Deutschland wird Vogueing immer professioneller. Der erste große Ball steht in Berlin in den Startlöchern und Organisatorin und deutsche Vogueing-Pionierin Georgina Philp (hier unser Portrait von ihr) hat international eingeladen. U.a. haben Anna Ninja aus Russland und Hector Xtravaganza aus New York zugesagt. Vom 10. bis 12.08. ist dann Berlin die Hauptstadt des Vogueing. Alle Infos zu Berlin Vogue Out und speziell zum Ball findet ihr bei Facebook, wenn ihr die Stichworte anklickt.

Aber wie gesagt, Deutschlands Szene kann sich auch sehen lassen. Wir stellen euch hier drei erfolgreiche Vogueingtänzer vor und checken, wer sie eigentlich sind und was sie über die Szene hier zu sagen haben.


Maike Mohr, 24, Hamburg, Tänzerin/Choreographin/Trainerin Wie kamst du zum Vogueing? Am Anfang wusste ich noch nicht viel über Vogueing. Ich habe auch erst mit Waacking angefangen und dann aus Neugierde irgendwann mal bei einem Vogueing Workshop in Paris bei Archie Burnett mitgemacht. Richtig motiviert wurde ich, Vogueing zu trainieren und mehr darüber zu erfahren, nachdem ich spontan bei einem Battle mitgemacht hatte. Danach habe ich dann viel mit anderen Voguern trainiert und habe so viele Workshops mitgenommen, wie ich konnte. Was fasziniert dich daran? Ich habe schon immer starken Ausdruck in Tänzen geliebt. Früher habe ich z.B. auch lange Krumping gemacht. Ich mag es gerne, eine Rolle einzunehmen! An Vogueing fasziniert mich aber auch der Fashionaspekt. Für mich ist das auch ein Ausdrucksmittel, auch im Alltag. Ich habe früher auch viel fotographiert und auch viele Selbstportraits gemacht. Dadurch habe ich mich schon eine ganze Weile mit Posing beschäftigt. Beim Vogueing konnte ich das gut mit einfließen lassen. Wie würdest du die Szene in Deutschland beschreiben? Die Vogueing Szene in Deutschland ist noch klein, aber ich habe das Gefühl, sie wächst! Was wünscht du dir für die Vogueing-Szene in Deutschland? Ich wünsche mir, dass es nochmehr Möglichkeiten gibt, sich auszutauschen und voneinander zu lernen! Ich freu mich auch, wenn die Szene wächst, noch bunter wird und Vogueing vielleicht auch den Nichttänzern ein Begriff ist. Und ich mag es, wenn Tänzer aus anderen Stilen mit Vogueing anfangen und ihre Einflüsse mit reinbringen, einfach noch mehr Offenheit!


Ich bin Zahara, 21 Jahre alt, und tanze seit über 6 Jahren.

1. Wie kamst du zum Vogueing?

Nachdem mir jemand mal eine Waacking-Choreo gezeigt hat, hab ich mir den Tanzstil noch einmal genauer bei Youtube angeschaut und kam schnell aufs Vogueing, da die Stile gern mal verglichen werden!

2. Was fasziniert dich daran?

Am meisten fasziniert mich die Ausdrucksstärke des Stils und alles, was zum Tanzstil gehört – die Charaktere, die Outfits, die Musik und natürlich auch die Geschichte dazu!

3. Wie würdest du die Szene in Deutschland beschreiben?

Viiiel zu klein!

4. Was wünscht du dir für die Vogueing-Szene in Deutschland?

Dass sie ganz schnell wächst und sich fest in die Tanzszene Deutschlands etabliert.
Der Berlin Vogue Ball ist ein großer Schritt in die richtige Richtung!


Hi, mein Name ist Barbora Brieskova, aber alle nennen mich Borka. Ich komme aus der Slovakei und bin 27 Jahre alt. Ich habe Tanz am Dance Conservatory in der Slovakei studiert, bin also professionelle Tänzerin und es bedeutet mir soo viel. Ich bin mir sicher, ihr wisst, was ich meine.

Ich hab Folklore, klassisches Ballett, Modern und Contemporary getanzt. Aber weil meine große Liebe Hip Hop ist, hab ich meine Company verlassen und bin nach NRW (Düsseldorf) gegangen, wo ich mit Takao Baba zusammengearbeitet habe.

1. Wie kamst du zum Vogueing?

Ich habe viel über Vogue gehört und auch viele Videos gesehen. Ich dachte immer nur: „Wow, ich liebe diese Energie, Grazie und Reinheit der Bewegungen, die Attitude und das Gefühl, das die Leute zu haben schienen während sie gevoguet haben. Es hat mich mehr und mehr interessiert und beim Funkin Stylez habe ich dann meinen ersten Workshop bei Archie Burnett belegt. Was soll ich sagen? Es war Liebe auf den ersten Blick!

2. Was fasziniert dich daran (am meisten)?

Ich habe einfach das Gefühl geliebt nach dem Workshop und konnte nicht mehr aufhören. Also trainiere ich neben Hip Hop, House etc ganz viel Vogue – dank Georgina mit unserem eigenen House, House of Melody, mit weiteren fünf Mitgliedern.

3. Wie würdest du die Szene in Deutschland beschreiben?

Ich bin sehr glücklich, dass die Vogueing-Szene in Deutschland langsam größer und größer wird. Langsam zwar, aber es wird! 😉

4. Was wünscht du dir für die Vogueing-Szene in Deu?

Ich wünsche mir, dass alle von uns Voguern in Deutschland weiter unser Ding durchziehen und damit Vogueing mehr und mehr an die Oberfläche birngen, sichtbar machen….. because it’s soooo beautiful!
So this is me..
Borka
God bless

Keepondancin, damit Vogue in Deutschland groß wird!!!

Urban Dance Szene an der Waterkant – „Jetzt wächst die Community zusammen.“

Ich trete in den kleinen Veranstaltungsraum des Hamburger Trockendocks, eine Stunde nachdem laut Flyer das Battle begonnen hat. Der Raum ist schon jetzt bis oben mit Leuten gefüllt, sodass da drin gefühlte 45°C herrschen. Ich finde auf die Schnelle nur einen Platz genau vor dem Lautsprecher, was mein Trommelfell ganz schön auf die Probe stellt. Gerade läuft die House Preselection. Vogueing hab ich leider schon verpasst, weil es „so wenige Teilnehmer gab“, meint der große Typ neben mir. Die Leute schauen konzentriert zu, nicken mit dem Kopf oder tanzen an der Seite, um zu üben oder weil sie den Beat feiern. Im Grunde sind alle Urban Tänzer aus der Hamburger Szene am Start – entweder als Zuschauer, Teilnehmer oder in der Jury. Insgesamt sind es bestimmt 120 Leute, die auch aus dem Umland oder vereinzelt aus NRW und Berlin angereist sind.

2vs2 HipHop mit Georgina und Jo-l beim Urban United Battle

Ende November fand in Hamburg zum ersten Mal das Battle Urban United statt, organisiert von den beiden Tänzerinnen Maike und Maren. So voll, wie der Raum war, hat Hamburgs Szene scheinbar nur auf ein neues Battle gewartet. Dabei konnten die Veranstalter nicht einmal mit Preisgeld locken. Alles sieht nach einer sehr lebendigen Tänzerlandschaft aus. Der Großstadt im Norden wird aber immer noch nachgesagt, keine ausgeprägte Urban Dance Szene und damit auch zu wenig Battle-Kultur zu haben.

„Ist doch ganz klar, die Szene ist eine ganz andere.“

Sugar Rae aus Aachen gibt heute einen Workshop in der Hip Hop Academy in Hamburg und kommentiert die Szene mit einem Augenzwinkern. „Mir ist zu Ohren gekommen, dass es kein Locking in Hamburg gibt, obwohl die Stadt so groß ist und so viel Soul hat. Dagegen muss etwas unternommen werden. Ich freue mich, endlich wieder in der City zu sein und glaube, es wird, wie der junge Hamburger sagt, ‚übelst deeerbe Digger’“, schreibt der Funkin’ Stylez-Gewinner auf seinem Profil bei Facebook.

IGI-Man von Alienfam aus Lübeck, mit dem ich beim Urban United Battle gesprochen habe, meint: „Ist doch ganz klar, die Szene ist eine ganz andere. Hier im Norden spielen sie alle Fussball und zum Beispiel in NRW tanzen sie alle. Und das Angebot ist auch nur so groß wie die Nachfrage.“

Flyer Urban United

Auch die Umfrage, die keepondancin auf der Facebook-Fanseite gestartet hat, ergab ein leicht ernüchterndes Ergebnis. Ernüchternd nicht nur, weil insgesamt unglaubliche neun Personen teilgenommen haben, sondern weil nur die Antworten „Hamburg ist’ne große Stadt mit guten Tänzer, aber die großen Battles fehlen“ oder sogar „Hamburg muss noch viel lernen“ angeklickt wurden. Erwähnenswert sind diese neun Stimmen trotzdem, weil unter den Umfrageteilnehmern immerhin Tänzer waren, die in ganz Deutschland bekannt sind (Prince und Aldo) und auch welche aus Hamburg und Umgebung (Jo-l, Felix von Deine Lieblingsbreaker etc.).

Selbst Urban United-Organisatorin Maren meint, das Verhältnis zwischen Anzahl der Tänzer und Battles würde noch nicht stimmen. „Es gibt viele Tänzer, offene Trainings und in den Jugendzentren passiert viel. Ich hab auch eigentlich das Gefühl, die Szene kennt sich“, sagt sie in einem Gespräch direkt nach dem erfolgreichen Battle, „Die Tänzer in Hamburg müssen aber noch ein bisschen besser zusammenarbeiten, um mehr auf die Beine zu stellen.“

Alles deutet erstmal darauf hin, dass Hamburg noch nicht ganz da ist, wo man es aufgrund der Größe erwarten könnte. Um herauszufinden, ob das wirklich so ist und wie sich die Szene derzeit entwickelt, hat keepondancin mit Metin von Elbcoast Entertainment gesprochen, der das größte norddeutsche Battle Elbcoast Underground in Hamburg veranstaltet. Metin hat 1994 mit dem Breaken angefangen und deshalb die Tänzerszene Hamburgs von Anfang an miterlebt.

 

„Jetzt wächst die Community mehr und mehr zusammen.“

Metin von Elbcoast Underground

Unser Gespräch beginnt interessanterweise damit, dass Metin weitere Battles gar nicht für sinnvoll hält. „Es gibt so sechs, sieben Battles über das Jahr verteilt in Hamburg. Das ist schon gut. Ich denke, wir brauchen eher wenige gute Termine, damit Tänzer von außerhalb kommen, als jeden Monat zu battlen und alle langweilen sich irgendwann“, meint er. Battles sollen also nicht wie Pilze aus dem Boden schießen, sondern lieber öfter gut organisiert sein und ein Niveau haben, das den anderen Städten in nichts nachsteht.

Der Grundstein für diese Vision wird gerade in der Szene selbst gelegt. Seit ungefähr drei Jahren erlebt Hamburg einen richtigen Aufschwung und tanzen wird zum Urban Lifestyle im Norden. Metin erklärt keepondancin die Entwicklung: „In den Neunzigern begann alles mit Breaking. Die anderen Tanzarten kamen dazu, aber es herrschte immer eine Art Konkurrenzkampf. Jetzt wächst die Community mehr und mehr zusammen. Die Tänzer fordern geschlossen mehr Freestyle-Trainings, Workshops und Battles.“ Nicht mehr nur Institutionen wie Jugendzentren, Elbcoast Entertainment oder die Hip Hop Academy pushen die Szene, die Tänzer selbst sind die neue Institution. Zum Beispiel haben sich vor kurzem zwischen 30 und 40 Hamburger Tänzer zu HH-CITY DIGGA!!! zusammengeschlossen und representen so auf den Battles in Deutschland und co.

Hamburgs Szene mag tatsächlich noch nicht ganz so groß sein wie in vielen anderen Ecken des Landes, aber es passiert gerade wahnsinnig viel. Tänzer, Tanzschulen und Jugendzentren ziehen an einem Strang. So können aus den kleinen Battles der Stadt schnell größere Formate mit internationalen Judges und allen wichtigen Vertretern aus Deutschland werden. Um Events wie Workshops oder Battles zu realisieren und die Szene damit zu pushen, fehlt Hamburg jetzt nur noch ein wichtiger Unterstützer. Zumindest sieht Metin das so: „Wenn wir bei Elbcoast mal ohne Jugendzentren Events organisieren wollen, wird man nicht von der Stadt unterstützt. Ich wünsche mir, dass sich da was ändert, denn das Werben um Sponsoren ist ziemlich anstrengend und zeitaufwendig.“

Hamburg ist also viel mehr am Start als gedacht und als hätte die Stadt es geahnt, dass ich so einen Artikel schreibe, habe ich bei Facebook vor ein paar Tagen eine Einladung zum letzten Hamburger Battle dieses Jahres bekommen. Am 18.12. findet in der Hip Hop Academy das Battlefield statt und bestimmt ist wieder die ganze Hamburger Tänzerszene dabei, um noch mehr zu wachsen. Besser kann unser Name nicht passen: keepondancin, Hamburg!!!

Urban Dance Revolution in Berlin – Ivan und die Street Dance Connection

Seit 10 Jahren ist Ivan als Tanzpädagoge in der Urban Dance Szene unterwegs. Er gründete 2005 die Street Dance Connection (SDC), die seit Oktober 2011 sogar offiziell eingetragener Verein ist. Zusammen mit den weiteren Mitgliedern und gleichzeitig Tänzern Prince, Hassan, Saber, Aga, Isaac und Maradona pusht er die junge Berliner Tänzerszene wie kein Zweiter. Keepondancin hat sich mit Ivan gechillt zu Hause getroffen und die Erinnerungen der vergangenen Jahre der SDC wiederbelebt. So viel schon vorweg: Neben vielen Erfolgsmomenten, musste er auch einiges einstecken….

1. Was war deine Idee bzw. deine Absicht, als du SDC gegründet hast?

Ich hatte schon fünf Jahre lang den Kids Breaking und Hip Hop Lifestyle gelehrt und plötzlich kam dieser Boom für „Streetdance“ auf. Ich habe die Kids gesehen, wie sie versucht haben, sich gegenseitig ein paar Moves beizubringen. Und viele wollten bei mir „Streetdance“ lernen, ohne zu wissen, was das eigentlich sein soll. Sie kannten nur die Kinofilme und Detlef D! Soost von Popstars. Also habe ich ein Team trainiert, sozusagen der Vorläufer der Fanatix. Mit der Zeit wurde es immer besser und ich habe einfach das Potenzial gesehen oder besser gesagt die Vision gehabt, mit diesen Jungs etwas Größeres zu machen in Form von Events und Battles. Meine Absicht war es, den Kids Hip Hop Kultur (besteht auf Kultur!) zu lehren.

2. Wenn du zurückschaust… Bist du zufrieden, wo SDC heute steht oder hättest du niemals mit dem Erfolg gerechnet?

Wenn ich zurückschaue bin ich superzufrieden, ich habe alle meine Gründungsziele mit der SDC erreicht. Erstens, es existiert eine Hip Hop Tanzszene Berlin, die gut informiert ist und sich gegenseitig supportet. Zweitens, Berlin ist in mehreren Teilen Europas als Tanzszene mit guten Tänzern und Events anerkannt. Drittens, es gibt eine große neue Generation an Tänzern, die jetzt auch Events, Workshops und Reisen organisieren.

Aber, ich habe anfangs  viel zu groß gedacht. Wir haben zwar alle eine sehr gute Entwicklung gemacht und es stehen uns jetzt alle Türen offen, das brauchte einfach seine Zeit. Immerhin waren wir die Ersten, die den Tanzstil NewStyle nach Berlin geholt haben – dafür haben wir Tänzer aus Frankreich für Workshops einfliegen lassen. Wir haben die Leute aufgeklärt und sind die Basics durchgegangen. Ich habe den Tänzern aber immer gesagt, dass mein Wissen in Bezug auf Hip Hop nicht ausreicht. Sie müssen reisen, die Welt sehen, die verschiedenen Stile entdecken. Sie wissen auch dank SDC, wie sie sich in dieser Community zu mobilisieren haben und so habe ich den einen oder anderen zu Storm gebracht – eine Legende des Urban Dance. Die meisten wussten gar nicht, wer das ist.

3. Was ist das Schönste an deiner Arbeit bei SDC, was gibt dir die Antriebskraft für das Projekt?

Wow, schwierige Frage! Da gibt es eine ganze Menge, wenn ich so zurückblicke. Es macht mir verdammt viel Freude zu sehen, wie etwas wächst bzw. entsteht. Ich bin sehr viel gereist durch meinen Job und das macht extrem viel Spaß. Ein ganz wichtiger Faktor ist, dass ich jeden Tag von den Jugendlichen lerne, wie sie denken, was sie fühlen. Dadurch konnte ich vieles aus meiner Jugend sehr gut verarbeiten… und die Kids sehen mich als Vorbild, was ich als sehr wertvoll empfinde.

Ansonsten… ich wurde hin und wieder enttäuscht von Leuten aus der Szene, die dann aber zurechtgerückt wurden und sich bei mir entschuldigt und mir plötzlich mehr Respekt gezollt haben, als ich je gedacht hätte. Das hat mir gezeigt, ich werde ernst genommen, ich bin anerkannt.

Ach ja, und die Dreharbeiten zu meinem Videotrailer waren richtig cool – endlich hab ich einen (smile). Es ist schön, zu sehen, wie sich alles entwickelt hat und wo wir angekommen sind.

Videotrailer noch nicht gesehen? Dann ab dafür!

4. Was waren die Tiefpunkte für dich bei SDC?

Meine Tiefpunkte waren die großen Events, von denen ich geträumt habe. Ich wollte, dass sie uns finanziell eine berufliche Basis bieten können. Ich war größenwahnsinnig und das sage ich jetzt rückblickend, denn damals war ich fest davon überzeugt, dass all meine Handlungen berechtigt waren. Ich habe alles riskiert: meine Existenz und die der Schüler, die an mich geglaubt haben. Ein Event (Er spricht vom Battle Day im Tempodrom 2007.), bei dem die Miete alleine 15.000 Euro beträgt und dann noch hoffen, dies durch Eintrittsgelder wieder einzunehmen, das ist mehr als wahnsinnig. Während der Veranstaltung kam einer der Geldleiher zu mir und sagte: „Ivan, es ist unmöglich, das Geld wieder einzunehmen, das wir dir geliehen haben. Du wirst für die gesamten Kosten selbst aufkommen.“ Nach diesem Satz musste ich erst mal „lässig“ das Battle weiter moderieren. Schon pervers diese Erfahrung – alle glücklich zu sehen mit dem, was ich auf die Beine gestellt habe und ich selbst wollte mich begraben. Am Ende waren es ganze 22.000 Euro, die ich heute noch abzahle. Das Kuriose daran ist, dass es keiner mitbekommen hat und alle Tänzer zu mir meinten: „Boah Ivan, fette Veranstaltung, geiles Ding“. Ende 2009 habe ich komplett mit Events aufgehört.

Danach kam das Geld von alleine auf mich zu. Es gab kürzlich Organisatoren, die wollten, dass ich noch ein Event mache. Also habe ich dieses Jahr das deutsch-französische Hip Hop Festival veranstaltet im Tempelhofer Park. Das größte und beste Event, das ich jemals gemacht habe.

Danke an dieser Stelle an Florian vom Centre Francais de Berlin und Borris vom Deutsch-Französischen Jugendwerk!

5. Der Job hört sich sehr zeitraubend an. Inwieweit hat er dein Privatleben beeinflusst?

Zwischen 2005 und 2009 war das mein Leben. Ich habe 24/7 nichts anderes gemacht. Meine komplette Zeit und Kraft ging für das Projekt drauf und ich habe auf mein Privatleben, Freunde/Familie, verzichtet, um die Ziele der SDC zu erreichen. Körperlich und gesundheitlich habe ich gewisse Grenzen überschritten. Außerdem konnte ich mich selbst als Tänzer leider nicht mehr weiterentwickeln, da noch eine Knie-OP dazu kam.

Irgendwann habe ich gesagt, es reicht. Seit 2009 mach ich keine Events und kümmere mich lieber um meine Familie und Freunde. Meine eigenen Interessen stehen im Vordergrund. Ich hab in letzter Zeit einfach vieles getan, was mir persönlich gut tat. Dadurch bin ich viel entspannter, lockerer zufrieden im Beruf und auch privat.

6. Was sind deine Ziele für die nächsten Jahre?

Ich habe eigentlich alles erreicht, was ich erreichen wollte. Mittlerweile habe ich neue Ziele. Es gibt eine große Nachfrage an Schulen, die Hip Hop als Schul-AG anbieten wollen. Das kommt mir gerade gelegen, da ich an ein Netzwerk gedacht habe für Tänzer, in dem man sich intern abspricht, wie die Jobs verteilt werden und wer gerade zur Verfügung steht. Hip Hop Tanz soll vom Staat als eine qualifizierende Ausbildung anerkannt werden, so wie Ballett oder zeitgenössischer Tanz. Ein weiteres Ziel, ist ein Netzwerk für Veranstalter der Szene aus ganz Deutschland zu bilden, um langfristig so was Ähnliches wie eine Gewerkschaft zu gründen.

Das hat z.B. den Vorteil, dass man sich nicht in die Quere kommt bei Veranstaltungen, also man gemeinsam Tänzer als Jurymitglieder bucht bzw. untereinander vermittelt. Ich sehe in der Hinsicht ganz viel Potenzial. Die ‚Gewerkschaft‘ soll nur zum Vorteil der Aktiven in der Szene sein. Außerdem stellt das Netzwerk ein politisches Sprachrohr dar. Gemeinsam sind wir stärker und könnten z.B. Gelder beantragen für kulturelle Projekte.

Aber mein nächstes konkretes Projekt, in das ich viel Zeit investieren werde, ist Hip Hop Tanz und Basketball zu verbinden. Die Koordination und das rhythmische Gefühl, die man beim Tanzen braucht, sind von Vorteil fürs Basketballspielen. Lasst euch einfach überraschen!

Keepondancin says ‚Thanks Ivan’ für das offene Gespräch und viel Erfolg für die kommenden Projekte!!