Archiv für den Monat Juli 2013

B-Boy Brahim

Der aus Lyon stammende Breaker ­Brahim tanzt seit über 10 Jahren und gehört mit Sicherheit zu den Weltbesten seiner Klasse. In dem 4-minütigen Video von YAK Films stellt er sein Können, seine Vielfältigkeit so wie seine Kreativität nochmals unter Beweis. Genießt dieses Video wir, feiern ­es. Bis dahin ­keep on ­dancin….

 

 

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Die Story hinter KAIZENPICTURES

Er ist leidenschaftlicher Hip HopTänzer und trägt mit seiner Kunst grosse Aufmerksamkeit für die Urban Dance Szene bei. Gestern erst hat er die Dokumentation „BELIEVE“ über Ben Wichert veröffentlicht. Er setzt Hip Hop hinter der Kamera in Szene. Er ist KAIZENPICTURES. Und weil wir uns schon öfter gefragt haben, „Wer oder was genau ist eigentlich KAIZENPICTURES?“ sind wir der ganzen Sache mal schön auf den Grund gegangen. Mit dem jungen Filmemacher sprachen wir über die Liebe zu Hip Hop, tanzen und natürlich das Filmemachen. Zieht euch unser exklusives Interview mit Steve Wonder rein!

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Steve Wonder a.k.a KAIZENPICTURES (c) Raphael Rapior

Stell dich doch einfach erstmal vor, für die Leute die dich gar nicht kennen.

Mein Name ist Stefan Müller, die meisten meiner Freunde nennen mich einfach nur Steve. Ich bin 25 Jahre alt und lebe in der schönen Stadt Freibug im Süden von Deutschland. Im letzten Jahr habe ich mein Studium mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik beendet und arbeite seitdem in der IT-Branche für ein Schweizer Unternehmen.

Okay, mit Film hat das nicht so viel zu tun. Also wer oder was ist KAIZENPICTURES? 

KAIZENPICTURES ist ein Movement bzw. der Name, mit dem ich mich den Leuten in aller Welt als Filmemacher zu erkennen gebe. KAIZENPICTURES erstellt dokumentarische Filme über Menschen, die sich ihrer Sache mit besonders viel Liebe und Hingabe widmen. Menschen, die mich inspirieren. Mit meinen Filmen versuche ich die Leidenschaft dieser Menschen zu transportieren und wiederum andere Menschen damit zu inspirieren, berühren und motivieren. Da ich mich selbst sehr gut in der Hip Hop Kultur auskenne und diese liebe, mache ich sehr viele Filme über und innerhalb dieser Kultur. Das bedeutet aber nicht, dass ich ausschließlich Filme im Hip-Hop Bereich mache. Mit KAIZENPICTURES mache ich auch andere Filme, aber supporte Hip Hop am meisten und verschaffe der Kultur damit ein Gehör rund um die Welt.

Wie bist du zum Filmen und Fotografieren gekommen?

Ich beschäftige mich schon seit meinem 14. Lebensjahr mit Mediendesign. Dass ich mich aber an das Filmemachen herangewagt habe, verdanke ich Timo Pierre Rositzki, einem sehr talentierten Filmtalent aus Deutschland. Als ich mit 16 das erste Mal seine Filme sah, war ich total geflashed davon, wie viel Einfluss ein Film auf Menschen haben kann. Timo hat regelrecht mit den Gefühlen der Zuschauer gespielt. Ich war begeistert und wusste sofort, dass ich das auch machen will. Zu dieser Zeit hatte ich aber kein Geld für eine Kamera (da gab es noch keine günstigen Video DSLR), weshalb ich mit irgendwelchen digitalen Footage von Computergames versucht habe etwas zusammenzuschneiden. Ich verlor dadurch ziemlich schnell die Lust daran, da ich gerne etwas Echtes machen wollte. Viele Jahre später kaufte ich mir dann endlich eine Cam und begeisterte mich erneut für das Filme machen. Seitdem kann ich damit auch nicht mehr aufhören und ich finde immer wieder Geschichten, die ich erzählen will.

Wie kamst du auf die Idee KP zu gründen? 

Ich habe erst ziemlich spät den Weg zum echten Urban Hip Hop gefunden. Das war beim Express Your Style 2010. Ich war so geflashed von den Tänzern, dass ich die ganzen nächsten Tage vor Inspiration brannte. Ich erzählte so vielen Leuten in meiner Stadt davon, merkte aber schnell, dass die Leute das gar nicht verstehen was ich meine. Klar, es waren ja auch nur Worte. Als ich zu dieser Zeit dann die ersten Filme über Tänzer sah, (YAK Films, Style 2 Ouf etc.), war ich fest davon überzeugt, dass es auch Filme geben sollte, die die Energie und den Spirit in der Szene zeigen und nicht nur den rohen Tanz. Damit haben auch Außenstehende Zugang. DJ Premier sagte einmal: “Wenn jemand Hip Hop nicht kennt, hört es sich für ihn nur nach lautem Krach an“. Genauso ist es mit dem Tanzen. Leute, die Hip Hop nicht kennen, verstehen meist nicht die Körpersprache mancher Tanzstile. 2010 gab es keine oder kaum Videos, welche genau das vermittelten – die Message von Hip Hop mit den Menschen dahinter und dazu den Tanz an sich. In den darauf folgenden fünf Monaten erstellte ich mir ein Konzept, wie ich diese Videos an die Menschen tragen wollte. KAIZENPICTURES war geboren.

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KAIZENPICTURES – Logo

Was ist der Unterschied zwischen dir und den anderen aus der Szene? ( YAK Films, JuBaFilms etc.)

Die meisten aus der Szene filmen den Tanz als sehr rohe Form (Video fängt an, Tänzer tanzt, Tänzer hört auf, Video endet). Es geht also fast immer ausschließlich um den Tanz. YAK Films hat dieses Genre sehr geprägt. Ich unterscheide mich von der Masse, indem meine Filme auf einer ganz anderen Ebene ansetzen und somit ein anderes Publikum ansprechen. Meine Filme blicken in bzw. hinter den Tänzer und zeigen, was tief in seinem Inneren vor sich geht und wie er sich in seinem Umfeld bewegt. Wie er sich fühlt und was während des Tanzens in seinem Kopf vor sich geht. Bei mir wird nichts gestellt, ich dokumentiere Events oder Tänzer. Es sind kurze Dokumentarfilme bzw. Videoportraits, die immer versuchen einen tiefen und emotionalen Einblick in den Tanz und den Tänzer zu bekommen. Daher findet man in den Filmen von KAIZENPICTURES fast immer ein Interview. Ich denke, genau das zeichnet KAIZENPICTURES in dieser Szene aus und macht die Filme unverwechselbar. Diese Art des Arbeitens hat aber auch Nachteile. Ich muss jedes meiner Projekte sorgfältig planen und viel Zeit in die Bearbeitung stecken. Zwischen zwei Filmen liegt oft ein Zeitraum von mehreren Monaten. YAK Films dagegen kann extrem spontane Videos mit einem enorm kleinen Budget direkt auf der Straße ohne viel Equipment erstellen. Ich habe Kash und seinen Jungs schon öfter mal über die Schulter geschaut. Es ist sehr beeindruckend zu sehen, wie spontan und mobil die Jungs arbeiten. Das dauert zum Teil keine 30 Minuten.

Man kann uns nicht wirklich miteinander vergleichen. YAK Films, JuBa Films und KAIZENPICTURES machen alle etwas ganz Unterschiedliches. JuBaFilms bspw. arbeitet viel szenisch also mit Schauspielern und erstellt beeindruckende Kurzfilme mit einer meist lustigen fiktionalen Geschichte. YAK Films ist super spontan und setzt auf Quantität und auf sehr rohes Material mit dem Fokus Tanz. KAIZENPICTURES arbeitet dokumentarisch und legt den Fokus mittels Videoportaits auf den Menschen bzw. Tänzer und dessen Leidenschaft. Fakt ist, alle machen sehr gute und spannende Arbeit, welche die Szene braucht. Alle sprechen eine unterschiedliche Zielgruppe an, stellen aber Urban Dance ins Zentrum. Aber wo wir gerade bei der Konkurenz sind: Stefanie Suchy (True Story Films) bewegt sich auf einem sehr ähnlichen Feld wie ich und ihre Arbeit ist atemberaubend! In meinen Augen ist Stefanie die talentierteste Filmemacherin der Szene und ich hoffe das wir eines Tages mal zusammenarbeiten We will see…

Gerade hast du den Dokumentarfilm BELIEVE veröffentlicht. Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit Ben gekommen?533630_483876458316412_84240691_n

Als ich Ben das erste Mal 2010 getroffen habe (Express Your Style), war er noch nicht so erfolgreich, wie er es heute ist. Ben ist mir aber schon damals extrem durch seinen Tanzstil aufgefallen. Dank Salas (Legion X) traf ich Ben auf der IBE 2011, wo wir uns dann endlich persönlich kennenlernten. Ich war sehr fasziniert von Bens offener, respektvoller und freundlicher Art. Oftmals haben die Leute ja ab, sobald sie in etwas gut sind. Ben ist aber immer auf dem Boden geblieben. Wir haben uns sofort gut verstanden, viel gelacht und merkten, dass wir beide sehr ähnliche Ansichten über das Tanzen und Hip Hop haben. Für mich war sofort klar, dass Ben genau der Typ Mensch ist, mit dem ich arbeiten möchte. Auch weil er in meinen Augen ein echter Freestyler ist! Mein Ziel war es, die Welt auf Bens sehr einzigartige Persönlichkeit und seinen freien Tanzstil aufmerksam zu machen. Zu meinem Glück habe ich mich richtig entschieden, nicht nur weil er während der Dreharbeiten dann noch das Juste Debout 2012 gewonnen hat, sondern auch weil er nach diesem Sieg auch immer noch der gleiche geblieben ist. Ich bin sehr stolz darauf, ihn bei diesem Abschnitt begleitet zu haben. Ben ist ein toller und lustiger Typ, den man unbedingt kennenlernen muss.

Wenn du mit Tänzern arbeitest, ist es einfacher wenn man eine freundschaftliche Bindung zu ihnen hat?

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Steve at Work

Nicht unbedingt. Es ist sicherlich hilfreich, wenn du eine Bindung zu den Tänzern hast. Nur so gelingen dir Aufnahmen, welche dir sonst nicht gelingen würden. Manchmal kann es aber auch ein Hindernis sein. Umso besser Ben und ich uns kannten, umso mühseliger wurden die Interviews mit ihm, weil wir irgendwann nur noch lachten und nichts Ernsthaftes mehr zustande gebracht haben. Es kann schwer sein, seine Freunde zu interviewen, da dann die nötige Diskretion fehlt, um immer ernst zu bleiben. Außerdem ist es manchmal nicht immer leicht die Tänzer nach einem Projekt weiter ziehen zu lassen, wenn sich eine freundschaftliche Bindung entwickelt hat. Im Genre des Dokumentarfilms ist es oftmals so, dass man sich sehr viel mit dem Menschen auseinandersetzt. Das ist eine Grundvoraussetzung, um über jemand einen guten Film machen zu können. Man ist sich während der Dreharbeiten oft lange Zeit sehr nahe und weis plötzlich sehr viele intime Informationen über diese Person. Eben wie ein enger Freund. Es ist natürlich immer schön wenn eine Freundschaft bestehen bleibt. Aber üblicherweise verliert sich der Kontakt und man geht wieder getrennte Wege. Das ist nicht immer leicht.

Was ist für dich persönlich dein größtes Projekt, das du mit KP gemacht hast ? 

Mein erfolgreichstes Projekt befindet sich noch in Arbeit. Aber es sind definitiv die Aufnahmen, die ich für das EBS KRUMP Event gemacht habe. Das Interview mit der KRUMP Legende Tight Eyez und seinem Bruder erscheint mir heute noch wie ein Traum. Nicht einmal der Hollywoodgröße „Dave LaChapelle“ gelang es in seinem Kinofilm „RIZE“ ansatzweise ein solch persönliches und tiefes Interview mit Tight Eyez zu führen wie mir. Darauf bin ich extrem stolz und kann es kaum erwarten, den Film dieses Jahr zu veröffentlichen. Meiner Freundin und mir sind während des Interviews die Tränen in die Augen geschossen als Tight Eyez uns seine schwierige Kindheit erzählt hat und die Momente, wie er auf der Schulbank saß und den KRUMP-Bewegungen Namen gab. Auf der Rückfahrt nach Hause habe ich fünf Stunden ununterbrochen gelächelt und war der glücklichste Mensch auf Erden! Tight Eyez ist in meinen Augen der ehrlichste und beeindruckendste Tänzer, den ich kenne. Bei ihm geht die Musik zu 100% durchs Herz. Das zu sehen ist mehr als beeindruckend. (PS: Wer nicht warten will, wir haben selbst ein exklusives, deepes Interview mit dem King of Krump gemacht.)

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KAIZENPICTURES supportet Tänzer, Tänzer supporten KAIZENPICTURES

Was ist das schwierigste an deiner Arbeit ?

Niemals aufzugeben. Ich habe mir ein hohes Ziel gesteckt und es ist noch ein langer Weg bis dorthin. Nicht immer läuft alles so, wie man es sich wünscht und man hat natürlich immer Phasen in denen man überlegt das Handtuch zu werfen – vor allem da ich das neben meinem regulären Job mache. Letztes Jahr beispielsweise sind mir fünf Projekte in Folge gescheitert. Irgendetwas in mir hat bisher immer dafür gesorgt, dass ich nie aufgegeben habe.

Wie lässt du sich am besten inspirieren, wenn du arbeitest? 

Am besten mit Musik. Jeder Film, jedes Design, alles was ich erstelle, erschaffe ich mit Hilfe von Musik. Ich brauche dafür absolute Ruhe an meinem Arbeitstisch. Alles muss ordentlich sein und keiner darf mich stören. Am besten funktioniert das bei mir in mitten der Nacht.

Danke Steve für das Interview. Wir sind sehr gespannt, was du uns in Zukunft noch bietest und bleiben dran! Bis dahin keep on filmin the dancin!!!

Und wer jetzt noch mehr von KP sehen will, checkt gepflegt die frisch veröffentlichte Doku mit Ben: