Tight Eyez im Interview: Über die Veränderung des Krumps

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Wir hatten letzte Woche exklusiv die Gelegenheit, mit Tight Eyez zu reden während seiner kleinen Tour durch Europa (Polen, Frankreich, Deutschland). Der Krumper der ersten Stunde hat uns Rede und Antwort gestanden und dabei tief blicken lassen. Lest am besten selbst, was er zu sagen hat.

Wie wir wissen, bist du öfter in Europa. Wann warst du das letzte Mal in Deutschland?

Das war letztes Jahr bei der European Buck Session. Ich liebe Deutschland, vor allem weil meine Familie hier ist, meine Krump Family. Ich hab jedes Mal eine richtig coole Zeit, wenn ich hier bin. In Berlin gibt es leider viele Krumper, die aufgehört haben, aber ich hoffe, dass sich das ändert in Zukunft – auch durch meine Anwesenheit.

Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit Ghetto Style gekommen?

Die Zusammenarbeit zwischen Kanon und mir ist im vergangenen Jahr beim Ghetto Style Battle in Paris entstanden. Ich hab gegen ihn gebattlet und das war echt brutal. Die Leute dachten, wir wären wirklich verfeindet.

Nach dem Battle haben wir beschlossen, gemeinsam etwas zu machen. Also erzählte Kanon mir von seinem Fusion Concept. Ich sollte nicht unbedingt battlen, es sein denn, ich werde herausgefordert. Aber ich sagte, ich will unbedingt battlen. Die Krumpszene hier ist groß, aber sie muss noch größer und zu einem festen Bestandteil werden. So fing unsere Zusammenarbeit an, er ist mein Homie.

Hier nochmal für alle, die das legendäre Battle nicht kennen: Tight Eyez vs. Kanon.

Hättest du jemals gedacht, dass du so eine bedeutende Rolle für die Krumpszene übernehmen würdest?

Nein, das hätte ich niemals gedacht. Krump ist in unseren Wohnzimmern entstanden. Wir hatten keine großen Erwartungen, als wir anfingen zu krumpen. Wir haben einfach nur in unserer Nachbarschaft gekrumpt. Aber als „Rize“ (Dokumentation von David LaChapelle) erschien, wussten wir, ‚Okay, wir können viel mehr daraus machen‘ und das ist sehr bedeutend. Ich trage eine gewisse Verantwortung und gebe mein Bestes, jeden Krumper kennenzulernen und dort zu sein, wo gekrumpt wird auf der ganzen Welt.

Inwiefern hat sich die Krumpszene verändert, seitdem du krumpst?

Am Anfang als „Rize“ rauskam, war es sehr kraftvoll und voller Energie fast unkontrollierbar. Wir wussten nicht, wie wir es steuern sollten. Heute haben wir viel mehr Kontrolle über unseren Körper, die Musik, wir sind kreativer, wir haben viel mehr Ideen. Es gibt Teams, Crews, Fams: das ganze ist viel reifer geworden. Die Musik hat sich sehr verändert. Es war früher alles sehr schnell, „uptempo“. Heute ist es gelegentlich auch noch so, aber insgesamt ist die Musik etwas langsamer, sodass du die Moves und die Kraft in den Bewegungen besser erkennen kannst. Dadurch versteht man den Tanz viel besser.

Der Ursprung vom Krump hat spirituellen Einfluss. Jetzt geht es mehr um Entertaiment, Shows und Battles. Glaubst du, dass das Spirituelle verloren gegangen ist? 

Ich denke, dass Krump immer noch sehr spirituell ist. Aber die Battles sind auch ein Teil davon, weil die Leute dadurch aufmerksam werden und es verstehen. Wenn du Krump verstehst, dann spürst du auch das Spirituelle daran. Es ist unsere Verbindung, die wir mit Gott haben. Wir nennen es „The Hype“: Das ist der Moment, wenn alle um dich herum sind und dich pushen bis zum Höhepunkt. Wenn du da ankommst, bist du zu allem bereit. Du fühlst dich einfach viel näher zu Gott als zuvor. Es ist also immer noch ein spiritueller Tanz.

 

Glaubst du, dass die Leute den Ursprung kennen, wenn sie anfangen zu krumpen?

Ich glaube nicht, dass jeder die wahre Bedeutung kennt, der krumpt, aber man wird es mit der Zeit schon herausfinden. Du hast selber die Wahl, welchen Weg du gehst. Man kann auch einfach nur aus Spaß krumpen oder um Leute zu unterhalten.

Aber die wahren Krumper wissen, was dahinter steckt, die spirituelle Seite und was es bedeutet, zu krumpen. Die Leute krumpen aus den verschiedensten Gründen. Ich krumpe aus spirituellen Gründen und das bringt mich zu den Battles.

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Erinnerst du dich an dem Moment als du das erste Mal emotional und spirituell mit Krump in Berührung kamst?

Das war im Wohnzimmer. Da hab ich gegen einen Freund von mir gebattlet, den ich seit sehr langer Zeit nicht mehr gesehen hatte und ich hatte mich gefragt:

Hey, wo hast du die ganze Zeit bloß nur gesteckt“?

Daraufhin sagte mein Homie:  „Ich hab in letzter Zeit nicht viel getanzt“.

Und ich fragte ihm: „Warum? Hast du aufgehört, zu tanzen“?

Ich weiß selbst das es Zeiten gibt, wo man von seinem Weg einfach abkommt, aber du musst immer weitermachen, um von dem ganzen Mist wegzukommen. Also fing ich an, gegen ihn zu battlen und er fing plötzlich an zu weinen und ich fragte mich, wieso weint mein Homeboy. Es schien so, als ob meine Moves etwas in seinen Gedanken ausgelöst hat, weil er gerade eine schwere Zeit durchmachte. Es war kein Battle mehr. Ich habe nur noch getanzt. Er stand in der mit Mitte vom Circle und hat einfach nur geweint. Es war echt verrückt.

Ich fragte ihn dann, was los sei. Er meinte: „Jede Bewegung, die du machst, ist, als ob du mir ein Stück von meiner Last nehmen würdest, als ob du mich erlösen würdest.“ 

Das war das erste Mal, an dem ich emotional und spirituell mit Krump in Berührung kam. Von dem Tag an wusste ich, es ist nicht einfach nur ein Tanz.

 

Worauf legst du Grundsätzlich Wert, wenn du Krump unterrichtest?

Es geht in erster Linie darum, zu lehren und ihnen beizubringen, dass Krump nichts Ängstliches ist. Die meisten Leute denken, dass Krump etwas Ängstliches ist, aber nein, es geht darum, Spaß zu haben und frei zu sein. Sie lernen, sich wohlzufühlen in ihren aggressiven Bewegungen. Auch wenn es aggressiv aussieht, es macht eine Menge Spaß. Natürlich ist es auch „Street“ und du kannst deine Attitude mit einbauen. Und nicht zu vergessen die Basics, Basics und nochmals Basics.

Gibt es noch andere Styles, die du tanzt? 

Krump ist natürlich meine Spezialität, aber ich liebe Popping und House. Das sind meine Lieblingsstyles. Das könnte ich mir die ganze Zeit anschauen.

Was würdest du tun, wenn du nicht Tänzer wärst?

Ich glaube, ich würde Rappen oder etwas machen, wo ich viel Kraft und Energie reinstecken muss. Irgendetwas Extremes, von mir aus auch Extrem Biker oder Skateboarder. Aber ich denke in erster Linie Musik.

Danke für das offene Gespräch!!!

Falls Tight Eyez jemals eine Rapkarriere starten sollten, werden wir sicherlich darüber berichten. Aber bis dahin keep on dancin, man!!!

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Veröffentlicht am 22/01/2013 in Backstage, Darf ich vorstellen? und mit , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

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