Ein Abend mit dem Teufel – Tanztheater Maldoror Amped

Der Boden ist blutrot gefärbt. Ein paar dünne Holzleisten, die zusammengezimmert wurden, bilden eine karges Bühnenbild. Das Licht ändert die Stimmung auf der Bühne und sporadisch erklingt melodiöse Musik. Sonst hat Tänzer U-Gin Boateng nur sich selbst.

Am Freitag fand die Premiere des Solostücks MALDOROR – AMPED in den Uferstudios in Berlin Wedding statt. UGin ist Maldoror, eine Art gefallener Erzengel, der das Böse in sich nicht mehr unterbinden kann. Grundlage ist das surrealistische Buch „Die Gesänge des Maldoror“ des französischen Dichters Lautréamont aus dem Jahr 1874. Es gilt als die literarische Inkarnation des Bösen. Schriftsteller Leon Bloy bezeichnete die „Gesänge“ 1890 als „das Werk eines Verrückten, aber auch das eines großen Dichters“.

Im Tanztheaterstück werden die Charakteristika des Buchs durch die Klischees des Hip Hop abstrahiert. Michael Jackson, James Brown, Ruff Riders und Ghetto Boys finden Erwähnung im Stück und zeichnen den Weg zum Bösen. Tänzerisch werden die Elemente von Hip Hop und Krump dabei nur stilisiert angedeutet, was auch bedeutet, dass das Böse nicht endgültig aus Maldoror herausbricht.

UGin hat im Stück eine sehr überzeugende Leistung gezeigt und eine ganze Stunde ohne Pause performt. Die Dramaturgie war hingegen nicht immer verständlich und vor lauter Stille und Schizophrenie auf der Bühne blieb auch das Publikum eher zurückhaltend. U-Gin hat uns verraten, dass in den zwei Monaten des Trainings viel probiert, festgelegt und doch wieder verwerfen wurde. „Das Stück ist erst seit wenigen Tagen richtig fertig“, erklärt er nach der Premiere. Vielleicht ist MALDOROR – AMPED deshalb nicht so rund wie erwartet, vielleicht ist aber auch genau das der Anspruch, wenn man ein so verstörendes Buch in ein Tanztheater übersetzt.

Am Ende zeigte sich jedenfalls der Respekt und die Begeisterung für das Stück mit viel Applaus und standing ovations. Keepondancin hofft jedenfalls, dass den drei Terminen von diesem Wochenende weitere in naher Zukunft folgen werden, damit ihr auch noch was davon habt. Informiert werdet ihr hier!

Übrigens: Mit MALDOROR – AMPED legt Regisseur Christoph Winkler die dritte Arbeit in seiner Reihe BÖSE KÖRPER vor, die sich mit der Darstellung „böser“ Charaktere im zeitgenössischen Tanz auseinandersetzt.

Bis dahin keepondancin’!

Ein Video vom Stück bei Facebook: Hier klicken!

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Veröffentlicht am 31/10/2011, in News. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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